Der ultimative Guide: Alle 8 Hyrox-Workouts im Detail erklärt

|Robert Scheidweiler
Der ultimative Guide: Alle 8 Hyrox-Workouts im Detail erklärt

8 Kilometer Laufen, 8 Workouts. Das klingt auf dem Papier machbar, doch die Realität in der Arena ist brutal. Hyrox ist kein Hindernislauf (OCR) im klassischen Sinne – es gibt keinen Schlamm und keine Klettergerüste. Es ist ein reiner Fitness-Wettkampf ("Functional Fitness Racing"). Zwischen jedem Kilometer Laufen wartet eine "Workout Station" in der sogenannten RoxZone auf dich. Die Reihenfolge ist immer gleich, die Gewichte sind standardisiert. Hier ist der detaillierte Breakdown dessen, was dich erwartet – Lies dir dazu unbedingt auch die [kompakten Hyrox Regeln] durch, um Strafen zu vermeiden


Station 1: 1000m SkiErg

Der Startschuss fällt, du läufst den ersten Kilometer und kommst mit hohem Puls an die Ski-Ergometer.

  • Die Aufgabe: 1000 Meter Distanz auf dem Concept2 SkiErg zurücklegen.

  • Die Herausforderung: Es ist verlockend, hier zu sprinten. Doch wer hier seine Arme "leerzieht", wird später büßen.

  • Pro-Tipp: Nutze vor allem deinen Rumpf ("Core") und dein Körpergewicht, um die Griffe nach unten zu ziehen. Die Arme bleiben relativ gestreckt. Atme rhythmisch und nutze diese Station, um deinen "Race-Puls" zu finden, statt ihn direkt ans Limit zu jagen.

Station 2: 50m Sled Push

Der erste echte Kraftakt. Der Schlitten muss über den Teppich geschoben werden.

  • Die Aufgabe: 4 Bahnen à 12,5 Meter. Der Schlitten und der Athlet müssen bei jeder Wende komplett über die Linie.

  • Die Gewichte (Open): 152 kg (Men) / 102 kg (Women) inkl. Schlitten.

  • Die Herausforderung: Der Startwiderstand und die Reibung. Sobald der Schlitten steht, kostet es extrem viel Kraft, ihn wieder in Bewegung zu setzen.

  • Pro-Tipp: Mach dich klein. Greife die Holmen tief, halte den Rücken gerade und "marschiere" den Schlitten mit kontinuierlichen Schritten. Bleib niemals stehen!

Station 3: 50m Sled Pull

Direkt nach dem Drücken kommt das Ziehen.

  • Die Aufgabe: Den Schlitten an einem Seil über 4 x 12,5 Meter zu sich heranziehen. Du musst dabei hinter einer Markierungslinie bleiben.

  • Die Gewichte (Open): 103 kg (Men) / 78 kg (Women) inkl. Schlitten.

  • Die Herausforderung: Deine Beine brennen vom Push, jetzt müssen Rücken und Bizeps arbeiten. Das Seil wird mit der Zeit rutschig, die Griffkraft schwindet.

  • Pro-Tipp: Laufe rückwärts ("Walking Backwards") innerhalb deiner Box, um das Körpergewicht einzusetzen, statt nur aus den Armen zu ziehen. Das schont den Bizeps.

Station 4: 80m Burpee Broad Jumps

Der Cardio-Killer in der Mitte des Rennens.

  • Die Aufgabe: 80 Meter Distanz durch eine Kombination aus Burpee (Brust zum Boden) und Weitsprung zurücklegen.

  • Die Herausforderung: Der Puls schießt durch den ständigen Wechsel von Horizontal (Liegen) zu Vertikal (Springen) in die Höhe.

  • Pro-Tipp: Vergiss weite Sprünge. Mache kleine, kontrollierte Sätze. Nutze die "Step-Up"-Technik (Füße nacheinander ranholen), um den unteren Rücken zu entlasten und den Puls kontrollierbar zu halten.

Station 5: 1000m Rowing

Die Halbzeit ist geschafft. Zurück auf das Ergometer, diesmal im Sitzen.

  • Die Aufgabe: 1000 Meter auf dem Concept2 Rudergerät.

  • Die Herausforderung: Deine Beine sind schwer von den Burpees. Viele Athleten versuchen, sich hier "auszuruhen", verlieren dabei aber zu viel Zeit.

  • Pro-Tipp: Konzentriere dich auf einen starken Beinstoß ("Leg Drive"). Der Rücken und die Arme sind nur die Überträger der Kraft. Versuche, eine konstante Schlagzahl zu halten, die dich nicht völlig auspowert, aber zügig voranbringt.

Station 6: 200m Farmers Carry

Jetzt wird die Griffkraft getestet.

  • Die Aufgabe: Zwei Kettlebells müssen über 200 Meter getragen werden.

  • Die Gewichte (Open): 2 x 24 kg (Men) / 2 x 16 kg (Women).

  • Die Herausforderung: Die Unterarme verkrampfen ("Pump"), die Finger wollen sich öffnen. Absetzen kostet Zeit und Kraft beim Wiederaufheben.

  • Pro-Tipp: Brust raus, Schultern nach hinten unten ziehen. Mache kurze, schnelle Schritte ("Trippelschritte"), um das Schwanken der Gewichte zu minimieren. Je stabiler der Rumpf, desto weniger müssen die Hände arbeiten.

Station 7: 100m Sandbag Lunges

Für viele die härteste Station kurz vor dem Ende.

  • Die Aufgabe: Ein Sandsack wird auf den Schultern getragen, während man 100 Meter Ausfallschritte macht. Das hintere Knie muss den Boden berühren.

  • Die Gewichte (Open): 20 kg (Men) / 10 kg (Women).

  • Die Herausforderung: Die Gesäßmuskulatur brennt, der untere Rücken ermüdet durch die Last.

  • Pro-Tipp: Lege den Sack so hoch wie möglich in den Nacken (auf den Trapezius), nicht tief auf den Rücken. Finde einen Rhythmus und bleib nicht am Boden liegen.

Station 8: 75 / 100 Wall Balls

Der "Grand Finale".

  • Die Aufgabe: Ein Medizinball muss aus einer tiefen Kniebeuge gegen ein Ziel in der Höhe geworfen werden.

  • Die Anzahl: 100 Wiederholungen (in fast allen Kategorien).

  • Die Gewichte (Open): 6 kg (Men) / 4 kg (Women).

  • Die Herausforderung: Du bist erschöpft, deine Beine sind tot. Jetzt noch 100 Kniebeugen zu machen, ist reine Kopfsache.

  • Pro-Tipp: Zerlege die 100 in Sätze (z.B. 5x20 oder 10x10). Achte penibel auf die Tiefe der Kniebeuge, um "No Reps" zu vermeiden. Nichts ist schlimmer, als am Ende unnötige Wiederholungen machen zu müssen.


Fazit

Hyrox ist die ultimative Prüfung für den kompletten Athleten. Es reicht nicht, nur gut laufen zu können oder nur stark zu sein. Du musst beides kombinieren. Wer die Technik der 8 Stationen beherrscht und sich seine Kraft klug einteilt, wird nicht nur finishen, sondern mit einem Lächeln (und brennenden Muskeln) über die Ziellinie laufen.

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